Viele schöne Augenblicke WAZ vom 06.02.2013

54105252-1128 Das Demenzcafé im Haus der Generationen wurde gestern eröffnet

Premierenstimmung im Haus der Generationen: Gestern Morgen eröffnete das Demenzcafé „AugenBlicke“, das eine Lücke in der Betreuung von Demenzkranken und deren Familienangehörigen schließt. In netter Atmosphäre, Kaffee und Kuchen standen bereit. Das, was auf Tischen am Rande aufgebaut war, machte neugierig.

Einer war voller Karnevals-Accessoires, auf dem Tisch daneben lagen Dinge, wie sie früher im Haushalt präsent waren: Das blecherne Waschbrett, die Tüte mit Zichorien-Kaffee, das längst vergessene Bleichmittel, die alten Persilschachteln, die kupferne Wärmflasche. Auf einem anderen Tisch lagen Märchenbücher, Wilhelm Busch’s Erzählungen. Gegenstände, die in der Betreuung von Demenzkranken eine Rolle spielen.

Mit einem hatte das engagierte neunköpfige AugenBlicke-Team aber nicht gerechnet: Mit dem Schneechaos. Denn deshalb blieben genau die zu Hause, die das Team so sehnsüchtig erwartete – eben die von Demenz betroffenen Menschen und ihre Angehörigen. Dann ging aber doch die Tür auf. Ursula Musina aus Budberg hatte sich mit ihrem Ehemann doch über die vereisten Straßen zum Annaberg vorgekämpft, wurde mit offenen Armen aufgenommen. Während ihr Ehemann Kaffee und Kuchen genoss, plauschte sie mit Gisela Elmer, einer der ehrenamtlich arbeitenden Damen des Teams darüber, was künftig an jedem ersten und dritten Mittwoch jedes Monats von 9.30 bis 12.30 Uhr angeboten wird.

Zum Beispiel, mit dem Betreuungsangebot pflegenden Angehörigen eine zeitliche Entlastung, eine Auszeit, anzubieten. Das neunköpfige Team, nach 33-stündiger Ausbildung und ergänzenden Praktika fit in der Leitung eines Demenzcafés, kümmert sich um den dementen Ehemann, während sie mal abschalten kann. „Ich freue mich wirklich, dass ich ein paar Stunden für mich habe. Die Idee gefällt mir.“ Erfahrung mit einem solchen Café hatte die Budbergerin schon. „Aber das nächste ist in Schwafheim, da kann man nicht immer hin.“

Zum Team gehören zwei Krankenpflegerinnen, Wilma Kleiber ist zudem noch Altentherapeutin. Zwei Tage im Monat drei Stunden stehen sie Angehörigen der Dementen bei. „Unser Ziel ist, Freude zu bereiten“, unterstreichen sie. „Wir wollen den Angehörigen Freiraum bieten“, sagt Martina Krebs. 20 Jahre habe man die Krankheit erforscht, aber keiner habe sich um die Bedürfnisse der gestressten Angehörigen gekümmert. „Es ist aber kein Ersatz für eine Tagespflege“, sagt Quartiersmanagerin Anke Sczesny. Ursula Musinas Ehemann besucht die Tagespflege. Das Angebot des „Cafés AugenBlick“ wird sie künftig ergänzend wahrnehmen.

Ankerpunkte

Wilma Kleiber erklärt derweil, warum auf den Tischen die Dinge liegen, die an eine Zeit vor 60 Jahren erinnern. „Ankerpunkte“ nennt sie die Bücher und das Waschbrett. „Die wecken Erinnerungen, sprechen den Dementen an“, weiß sie. Alle zwei Wochen gibt es ein neues Thema im Café, das können Pflanzen, Gerüche, der Sommer sein.

Zunächst startet die Begrüßung an der Tür. Ein Begrüßungslied gibt es, Tagesthemen werden behandelt, Entspannung gibt’s, Gemütlichkeit bei Getränken und am Ende ein Abschiedsritual. Hauptziel aber bleibt, dass die Familienangehörigen sich für einige Stunden anderen Dingen, vor allem sich selbst, widmen können.

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