Theater und Gemüse als Schrittmacher NRZ 12.07.2018

Perspektivwechsel am Hochbeet: Gartenbauer Udo Kemme erläutert René Hofmann (links) und Michaela Bauer, was da so gedeiht.
Foto: ARFI

Projekt „180° Perspektivwechsel“ mit 15 Arbeitssuchenden läuft seit Frühjahr.

Mittlerweile trägt die wochenlange Arbeit Früchte. Mit Blick auf den Garten rund ums Haus der Generationen kann man das sogar wörtlich nehmen.
In Hochbeeten wachsen Zucchini und Dill, in Kübeln reifen Tomaten, und im Flachbeet stehen neben Porree und Möhren Kartoffeln, Salat, Bohnen und Erbsen. Sogar eine Wassermelone gewinnt zunehmend an Umfang.
Nur im bunten Blumenbeet im Schatten des Ahorn will es nicht so recht blühen. „Der Baum zieht zu viel Wasser, so dass sich die Pflanzen nicht entwickeln können“, erläutert Udo Klemme.
Seit dem Frühjahr sorgt der Gartenbaulehrer im Rahmen des Projektes „180° Perspektivwechsel“ mit 15 Arbeitssuchenden aus Rheinberg und Umgebung dafür, dass in den Beeten Obst- und Gemüsepflanzen gedeihen.

Das konnten sich im Rahmen des Sommerfestes am Mittwoch auch Anwohner und Interessierte anschauen. Eine Präsentation mit Informationen vielen Bildern zeigte den Ausgangszustand auf der „Scholle“ am Haus der Generationen. Zudem gab’s einen Vortrag über Urban Gardening. Kinder konnten spielen, eine Cafeteria bot die Möglichkeit zum Austausch.
Zum vierten Mal gestaltet die Dortmunder Projektagentur Quest im Haus der Generationen eine zehnmonatige Qualifizierung, um Arbeitssuchende wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Finanziert wird die Maßnahme vom Jobcenter.

Das Projekt „180° Perspektivwechsel“ besteht aus dem Bereich Garten- und Landschaftsbau sowie der theaterpädagogischen Komponente unter Leitung von Tom Gimbel. Als Sozialpädagoge ist Helge Miyamoto Ansprechpartner. „Während im Beet die praktische Arbeit im Mittelpunkt steht, geht es beim Theater darum, dass die Teilnehmer lernen, sich zu präsentieren, ins Gespräch zu kommen und die Persönlichkeit zu stärken – eben mal die Perspektive zu wechseln“, erläutert Theaterpädagoge Tom Gimbel das Konzept. Und das sei, so Stefanie Albert, durchaus erfolgreich. „Es geht primär darum, dass die Teilnehmer sich wieder eine Tagesstruktur erarbeiten, Möglichkeiten ausloten und Perspektiven erarbeiten“, betont die Teamleiterin im Jobcenter Wesel.

Das hat Sandra Kempkes schon geschafft. Jahrelang hat die gebürtige Kölnerin vergeblich um eine Maßnahme zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt gekämpft. Erst mit dem Umzug nach Kamp-Lintfort vor einem Jahr zeichnete sich für sie eine Wende ab. „Als mir die Teilnahme angeboten wurde, habe ich sofort zugegriffen“, erzählt die 44-Jährige.

Umschulung zur KassierinIhr Ziel, wieder einen Alltagsrhythmus zu haben, die Belastbarkeit nach Krankheit zu testen und wieder fitter zu werden, hat sie schon erreicht. „Zu sehen, dass ich bei der Gartenarbeit durchhalte, freut mich“, sagt sie. Ihr Wunsch: eine Umschulung zur Kassiererin.

Für Marvin ist zwar noch unklar, wie es beruflich für ihn weitergeht, aber der  22-Jährige weiß jetzt, dass er sich mehr zutrauen kann. „In meiner persönlichen Entwicklung habe ich einen Schritt nach vorn gemacht“, so der Xantener.

Von: nmb

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