Sein Leben neu ausrichten RP 08.07.2019

Gartenarbeit gehört zum Projekt-Programm und hat auch symbolischen Wert: Die Ernte ist der Lohne für alle Mühen. Foto: Armin Fischer (arfi)

Das Projekt „180° Perspektivwechsel“ bereitet Menschen auf den Arbeitsmarkt vor.

Reger Betrieb im Haus der Generationen. Die Teilnehmenden des Projektes „180° Perspektivwechsel“ trafen sich zum Sommerfest – Motto: „Den Sommer und das Leben feiern“. Dazu waren Freunde, Angehörige, Teilnehmende aus anderen Projekten und Nachbarn eingeladen.

Zum wiederholten Mal ist das Gemeindehaus Arbeitsort der Quest-Projektagentur für 15 Menschen aus sieben Nationen. Zum einen sind es Menschen mit Flüchtlingshintergrund wie Menschen auf der Suche nach ihrem Platz auf dem Arbeitsmarkt, wie Theaterpädagogin Marianne Daum und Till Stauffer erläutern. Verschiedene Aktivitäten bestimmen seit Anfang März den durchstrukturierten Tagesablauf der Gruppe. Über intensives Arbeiten an sich und mit der Gruppe sowie praktischen Tätigkeiten gelingt ein Perspektivenwechsel, wie vorherige Projekte zeigten.

„Im vorigen Jahr hat beispielsweise eine Teilnehmerin das Fachabitur nachgeholt. Auch mit dieser Gruppe erleben wir eine deutliche Aufwärtsentwicklung. Die Mitglieder lernen voneinander und bestärken sich positiv“, sagt Fallmanagerin Evelyn Hormann vom Jobcenter. „Andere wiederum erleben durch die Gruppe eine derartige Stabilität, dass der Weg auf den Arbeitsmarkt absehbar ist. Wichtig ist die Kommunikation“, so die Fallmanagerin.

Von Selbstwirksamkeit spricht Till Stauffer, Mitbegründer der Projektagentur. „Wir arbeiten an einer Perspektive, die über die Form der gemeinsamen Arbeit gegeben ist“, so Stauffer. Dazu gehöre beispielsweise Gartenarbeit, die mit der damit verbundenen Ernte auch symbolischen Wert hat. Udo Kemme leistet als Garten- und Landschaftsspezialist die pädagogische Arbeit. Hinzu kommen die Gestaltung des Außengeländes mit Sitzplätzen rund ums Haus der Generationen wie gemeinnützige Arbeiten für die Stadt Rheinberg.

Umfassend begleitet wird die Arbeit durch die sozialpädagogische Betreuung des systemischen Coaches Gisela Feldhaus. „Die Regelmäßigkeit im Tagesablauf ist wichtig“, sagt Theaterpädagogin Marianne Daum. Zu drei Tagen Gartenprojekt kommen zwei Tage Theaterarbeit mit Drehmomenten. „Wir erleben, wie Menschen aufblühen und sich mit ihren verborgenen Talenten einbringen, die erst in der Gruppe ans Licht gekommen sind. Das Selbstvertrauen wächst“, sagt Daum.

Max (23) ist Teilnehmer und will mit seinen Informatikkenntnissen und -fertigkeiten in den EDV-Bereich. Derzeit ist er der „Deutschlehrer“ in der Gruppe, der mit Menschen mit Flüchtlingshintergrund für alltägliche Begebenheiten die deutsche Sprache trainiert. „Ich lerne viele Menschen kennen und habe die schönste Aufgabe“, meint er stolz. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal anderen die deutsche Sprache beibringen werde.“ Sein Ziel ist es, im EDV-Bereich eine Ausbildung zu machen, für die derzeit die Fäden gesponnen werden.

Seit 2015 lebt der Syrer Tarek in Deutschland. Der 43-Jährige ist gelernter Schweißer in der Kunstschlosserei. Er hat viel künstlerisches Talent. Hinzu kommt ein Führerschein für den Gabelstapler. Seine Frau, von Beruf Lehrerin, und seine Kinder sind mittlerweile bei ihm. Bei Max geht er in den Unterricht. „Hier ist es sehr gut“, lautet seine Bilanz. Demnächst steht noch ein Gemeindefest an, bei dem die Gruppe sich einbringt. Im Dezember endet das Projekt mit einem Abschiedsessen, dem Erzähl-Ma(h)l.

Von Sabine Hannemann

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