Gemeinde zieht sich aus der City zurück RP 02.09.2020

Was aus den Gebäuden im Kirchenwinkel Innenwall/Rheinstraße wird (hier von der Rückseite der Kirche aus zu sehen), kann Pastor Udo Otten noch nicht sagen. Er selbst bleibt im Pfarrhaus wohnen, auch die Dienststelle des Diakonischen Werks zieht nicht weg. Foto: Fischer, Armin (arfi )/Fischer, Armin ( arfi )

In der Evangelischen Kirche an der Rheinstraße gibt es weiterhin Gottesdienste, alles andere wird ins Haus der Generationen an der Groten Gert verlagert. Die Gemeinde muss weiter sparen.

Die Evangelische Kirchengemeinde Rheinberg zieht sich weitgehend aus der Innenstadt zurück. Wie Pastor Udo Otten im RP-Gespräch sagte, soll ein Großteil der Gemeinde-Aktivitäten künftig im Haus der Generationen an der Grote Gert 50 am Annaberg stattfinden. An der Rheinstraße im Zentrum der Stadt werde es nur noch Gottesdienste in der Kirche und anschließend im kleinen Gemeindesaal hin und wieder ein Kirchencafé geben. „Alle anderen Veranstaltungen werden ins Haus der Generationen verlegt“, so Otten.

Das Gemeindebüro, derzeit in einem Haus der Gemeinde am Innenwall und damit ebenfalls im Windschatten der Kirche untergebracht, zieht mitsamt Sekretärin Heidi Bodden zur Groten Gert um. Ab dem 1. November werden offizielle Angelegenheiten zu Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten oder Beerdigungen dort erledigt. Das Diakonische Werk mit seiner Dienststelle Rheinberg, das seine Büros ebenfalls in einem Haus an der Kirche hat, ist zwar eine Einrichtung der Evangelischen Kirche, aber nicht der Evangelischen Kirchengemeinde Rheinberg. Dort ändert sich räumlich nichts. Und auch Pfarrer Otten bleibt im Pfarrhaus am Innenwall wohnen. „Ich bin dann so etwas wie der letzte Mohikaner in der Innenstadt“, sagte er.

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Vor 14 Jahren lief es genau umgekehrt

Gemeindehaus So ändern sich die Zeiten: Die Kirchengemeinde wollte das heutige Haus der Generationen an der Groten Gert Ende 2006 verkaufen. Es wurde damals in Internetportalen angeboten. Es gab die Überlegung, alle Gemeindeaktivitäten an der Rheinstraße und am Innenwall zu bündeln. Auch ein Neubau an dieser Stelle war damals in Erwägung gezogen worden. 2011 baute der Fußballstar Roque Santa Cruz neben dem Haus der Generationen eine Tagespflege mit barrierefreien Wohnungen.

Der Grund für die Veränderungen ist, dass die Kirchengemeinde weiterhin sparen muss. Der größte Kostenapparat sei das Kinderhaus an der Fossastraße gewesen, so der Pfarrer. Von dieser Einrichtung hat sich die Gemeinde zum 1. August dieses Jahres getrennt – nach jahrelanger Suche. Neuer Träger ist die Bethanien-Diakonissen-Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main. Otten: „Obwohl wir das Kinderhaus abgegeben haben, müssen wir weiterhin sparen. Unser Gemeindehaushalt weist immer noch ein strukturelles Defizit auf.“

Spürbare Einspareffekte ließen sich leider nur erzielen, wenn man Personal entlasse, sagte Udo Otten. So fielen an der Rheinstraße künftig die Stellen der Küsterin und die „sehr kleine Stelle“ eines Hausmeisters weg. „Wir arbeiten im Moment an einer vernünftigen Lösung für diese Mitarbeiter“, hob der Pfarrer hervor.

Umbaumaßnahmen im Kirchenwinkel Rheinstraße/Innenwall seien vorerst nicht geplant. Udo Otten: „Wir müssen das alles erst einmal sacken lassen, dann schauen wir weiter. Aber lange können wir die Räume dort auch nicht leerstehen lassen. Davon werden sie nicht besser.“

Unterdessen müssten im Haus der Generationen alle ein wenig zusammenrücken, damit genug Platz für alle da ist. Die Kegelbahn im Keller sei schon vor Jahren aufgegeben worden, dadurch habe man zusätzlichen wichtigen Lagerraum geschaffen. Weitere „leichte Umbaumaßnahmen“ seien geplant.

Die anstehenden Veränderungen hat Pastor Otten bei einer Gemeindeversammlung im kleinen Gemeindesaal an der Kirche verkündet. Etwa 30 Frauen und Männer seien dabei gewesen. „Das war schon emotional“, so der Pfarrer. „Und ich hatte den Eindruck, dass einige durchaus etwas geschockt waren. Aber wir kommen an der schmerzhaften Realität nicht vorbei. Und es ist nun mal so, dass die meisten Gemeindeglieder mittlerweile am Annbaberg leben und nicht in der Stadt.“ Immerhin erwache das Gemeindeleben allmählich wieder aus seinem coronabedingten Dornröschenschlaf.

Von Uwe Plien

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